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Memories #3

Du sitzt auf einer Bank an irgendeinem Hauptbahnhof, der Regen fällt in langen Fäden vom Himmel und durchtränkt die Kleidung derer, die draußen sind sofort. Auf dem Gleisdirekt vor dir steht ein ICE (ein Blick auf die Anzeigentafel verrät dir, dass der Zug nach Berlin fahren wird) mit getönten Scheiben. Ein Mann von etwa 30 - 40 Jahren (manchmal fällt es dir so schwer, das Alter einer Person zu schätzen!) steht vor einer der Scheiben und presst seine Hand an diese. Aus seinen Haaren tropft Wasser und läuft in den Nacken seiner braunen Jacke, da das Dach nicht bis dort hin reicht, wo er steht.
Du fragst dich, wer wohl seine Hand von der anderen Seite an die Scheibe drücken mag. Vielleicht seine Freundin. In Berlin haben sie sich kennen gelernt und sie hat ihn hier besucht und fährt nun wieder zurück. Es könnte auch seine Tochter sein, die in Berlin wohnt, bei seiner Frau, von der er sich getrennt hat. Der Mann legt seine Finger an die Mundwinkel und zieht diese zu einem Lächeln auseinander. Vermutlich weint die Frau (die Situation vermittelt dir das Gefühl, dass es sich nicht um einen Mann handeln kann) hinter der Scheibe. Die ganze Szene wirkt unwirklich auf dich, so, als würde sie nicht hier hergehören, als würde ein Theaterstück vor einer unpassenden Kulisse aufgeführt werden. In Städten sind die meisten Menschen anonym und nahezu unsichtbar, gesichtslos, dieser Mann aber hat ein Gesicht bekommen und dieses gehört nicht hier her, in den Regen.
Die Türen schließen sich, er legt wieder seine Hand auf die Scheibe, geht noch ein paar Schritte hinter dem anfahrenden Zug her, als dieser den Bahnhof verlässt und bleibt schließlich allein zurück. Schon jetzt kommt dir die ganze Szene unwirklich vor, so, als habe sie nie stattgefunden…
14.4.06 19:18


Memories #2

Du betrachtest die Frau in der Schlange vor dir. Sie hat einen schlanken Hals, und ihr Ohr wird von zarten Strähnchen umspielt. Früher war sie bestimmt mal schön, als sie etwa in deinem Alter war. Dein Blick fällt auf eine Vitrine mit Duftölen. “AZT,” sagt sie. Dein Kopf ist wie leer gefegt. Du erinnerst dich, dass AZT das Medikament ist, mit dem Aids behandelt wird. Du schaust sie genauer an. Ihr Augen sind dunkel und hart, so, als weine sie oft. Wer mag der Kranke sein?
Vermutlich ihr Mann, ja, es muss ihr Mann sein. Sie genügte ihm nicht mehr, weil beide berufstätig waren und sie ihn nicht mehr befriedigen konnte. Also ging er zu den Prostituierten. Und dann, als er Blut spenden wollte, fanden sie heraus, dass er positiv ist. Sie hält natürlich weiter zu ihm, immerhin hat sie ihm das bei der Heirat geschworen. >In guten, wie in schlechten Zeiten.< Sehr schlechte Zeiten, sind das jetzt; sie hätte was besseres verdient.
Die Apothekerin ist nach hinten gegangen um das Medikament zu holen. Sie trommelt mit ihren langen, schlanken Fingernägeln auf der Theke. Dir fällt auf, wie elegant ihre Kleidung ist. Auch die kleinen Ohrstecker sehen teuer aus.
Vielleicht ist ihr Sohn der Krank. Gerade erst volljährig geworden hat er sich zu seinem Geburtstag einen Urlaub gewünscht, er hat ja wohlhabende Eltern. Nach Thailand sollte es gehen. Er war noch ganz unschuldig und dann erlebt er sein erstes Mal mit einer Prostituierten und als er nach Hause kommt dann die Diagnose. Schrecklich für die Familie, ihre Trauer überwiegt sogar noch über der Scham. Dabei war er doch immer ein so guter Schüler, wollte einmal studieren, vielleicht sogar an einer Elite-Universität oder im Ausland und später einmal Wissenschaftler werden…
Aber nein, wo denkst du hin, sie kann keine Kinder in deinem Alter haben, sie ist vermutlich selbst erst Anfang 30.
Es muss ihr Sohn sein, 8, vielleicht 10 Jahre alt. Ein richtiger Sonnenschein, ein Kind wie aus der Werbung, mit einem spitzbübischen Grinsen. Aber trotzdem zu hause immer brav. Auf dem Spielplatz ist es passiert. Verdammt soll der sein, der die Spritze da hat liegen lassen! Sie haben die Tests wiederholt, hoffentlich nur eine Gelbsucht, oh ja, Gelbsucht wäre schon schlimm genug. Aber die Testergebnisse bleiben gleich. Immer wieder das gleiche schreckliche Todesurteil…
Die Apothekerin kehrt zurück. Sie legt eine schmale, lange Schachtel auf die Theke. Sieht aus, wie eine Zahnpasta. Es IST eine Zahnpasta. Du musst da etwas falsch verstanden haben. Plötzlich hasst du die Frau dafür, dass sie keinen kranken Mann oder Sohn hat. Dafür, dass du deine wertvolle Fantasie für sie verschwendet hast. “Was möchten Sie?” fragt die Apothekerin. Du schaust sie für einen Moment verwirrt an. “Schlafen…” antwortest du.
9.4.06 23:40


Memories #1

"Was erwartest du schon von mir?" fragt er und steht auf. Du bleibst reglos auf dem bett sitzen und siehst ihm zu, wie er das weiße Pulver auf einen Spiegel schüttet und mit einem Lineal zerteilt.
"Vielleicht, dass du mit dem Scheiß aufhörst?" sagst du, während er ein Stück von einem Strohhalm aus der Tasche kramt. "Oder, dass du endlich anfängst dein Leben zu überdenken? Wie wärs zum Beispiel, wenn du weniger rauchen würdest? ich kann dir doch nciht ständig Geld für die Kippen leihen!"
Er zieht sich die erste Line, legt den Kopf in den Nacken und seufzt. sein Zimmer war absolut schmucklos. Ein Bett, ein Schrank, ein Tisch mit seinem Computer und hunderte von Büchern.
"Manche Menschen ändern sich eben nie," sagt er, "und ich gehöre nun mal dazu." Er beugt sich weider über den Tisch, sein Haar fällt zu beiden Seiten des Spiegels auf die Tischplatte, als er sich die 2. Line zieht.
"Oh, P., du zerstörst dein Gehirn und deine Nasenschleimhäute," sagst du. "Du bist ein fauler, perspektivenloser Junkie, merkst du das eigentlich? Und irgendwann wirst du die Konsequenzen daraus ziehen müssen."
"Ziehen," er dreht den Stuhl zu dir, "ist eine ganz ausgezeichnete Idee. Du solltest auch mal damit anfangen, M..
Nur eine Line und die siehst viel klarer."
Ihm schweigend in die Augen zu sehen hat ihn noch nie irritiert. Er ist zu schön, zu selbstsicher und vermutlich auch schon lange zu kaputt. "Komm," sagt er und stellt die Musik ab, dei die ganze Zeit lief "wir sollten gehen, Me. wartet schon auf uns."
9.4.06 19:52


Ame

Ame ist japanisch und heißt Regen... bevor einer fragt ;-)

Der Blog hier dient 1. dazu, euch zu bespaßen 2. dazu von diversen anderen Websitzes abzulenken die ich habe und 3. ist es eine nette Beschäftigung wenn einem richtig langweilig ist.

Mal schauen, was draus wird.
9.4.06 19:39





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